Vertraue deinem Hund

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich Benz vertraue, würde ich sofort mit „Ja!“ antworten. Und dann erwische ich mich doch dabei, wie ich beim Mantrailing nicht nur auf ihn, sondern auch auf meinen Ausbilder achte. Kim als meine Ausbilderin weiß wo es lang geht und so versuche ich, manchmal eher unterbewusst, auch ihr Verhalten zu lesen: Entscheidet sich Benz an einer Kreuzung für eine Richtung und ich höre kurze Zeit später die Schritte von Kim, fühle ich mich in unserem Tuen gleich bestärkt. Bleibt sie allerdings stehen, kommt die Unsicherheit.

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Mit Blick auf eine Prüfung und folgende Einsätze muss ich mich leider von dieser Sicherheit verabschieden. Wenn eine Person vermisst ist, gibt es niemanden, der weiß wo es lang geht – niemanden außer Benz.

Also habe ich mir ein Training gewünscht, was mich mehr fordern und aus der Komfortzone locken sollte als den Hund. Kim hielt sich soweit zurück, dass ich mir von ihr keine Hinweise erhoffen konnte. Manchmal blieb sie länger stehen, obwohl ich richtig war und wäre mir auch gefolgt, wenn wir die falsche Richtung eingeschlagen hätten.

Johann, der uns Trailer öfters mal als Versteckperson unterstützt, wurde von Kim „um die Ecke gebracht“.  Mit seinem Geruchsartikel verpackt in einer Tüte zogen wir vom Auto los in Richtung Startpunkt. Das Prozedere war wie immer aber dieses Mal mit einem deutlich erhöhten Stresspegel meinerseits. Glücklicherweise ließ sich Benz davon nicht aus der Fassung bringen und nach dem ich ihm das Geschirr angelegt hatte, ging es auch schon los: „Riech!“ und „Trail!“

In den folgenden Minuten versuchte ich mich nur auf den Hund und seine Körpersprache zu konzentrieren. Gestartet an einer Kreuzung, an der sich Benz durch die vorbeifahrenden Autos erstmal orientieren musste, ging es weiter in ein Neubaugebiet. Ich bemerkte Benz Blick in einen schmalen Sandweg, er ging aber einige Schritte weiter Voraus bis er mir dann einen deutlichen Abbruch signalisierte und doch in den kleinen Weg einbog. Über weitere Kreuzungen, an spielenden Kindern vorbei bis zu einer kleinen Parkanlage führte uns der Weg ohne auch nur eine Idee davon zu haben, wo Kim sich gerade befindet. Jetzt ging es an einer langen Hecke an der Rückseite eines Sportplatzes lang. Benz hob auffällig die Nase in den Wind. „Ob Johann sich hier in der Nähe irgendwo versteckt?“, war mein erster Gedanke. Millisekunden später kamen wieder Zweifel: War es vielleicht doch der Geruch eines anderen Hundes oder eines anderen interessanten Objektes? Sind wir hier noch richtig? Wurde Benz vielleicht von den laut spielenden Kindern abgelenkt? Benz zog weiter entlang der Hecke in eine Linkskurve und bog in die dortige Auffahrt zum Sportplatz ein. Außerhalb meiner Sicht hörte ich eine bekannte Stimme: „Prima Benz! Super gemacht!“ – es war Johann, den wir auch ohne Hilfe gefunden hatten. Ich war noch nie so froh ihn zu sehen.

Benz bekam seine verdiente Leberwurst, die er wie immer sehr genüsslich aus der Dose leckte. Danach folgte ein ausgiebiges Spiel mit seinem geliebten Seil. Mir war die Erleichterung Bestätigung genug.

Es ist ein großartiges Gefühl, dass Benz und ich als Team auch ohne Unterstützung ans Ziel gekommen sind. Dieses Training ohne Sicherung und doppelten Boden hat mir deutlich gezeigt, dass mein Kleiner eine tolle Arbeit macht und ich ihm wirklich vertrauen kann.

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