Eru, 9 Monate, über seinen Eignungstest

"Heute musst du dich benehmen." Was für ein Satz von meinem Frauchen um in einen gemütlichen Sonntag zu starten. Aber wie sich herausstellen sollte, würde das nicht das Merkwürdigste am heutigen Tag bleiben. Ich war schon ganz hibbelig, als Frauchen das Auto endlich vor unserem Übungsgelände parkte, aber erst mal hieß es warten. Und das wo ich am liebsten sofort los wollte. Total gemein, aber da brachte alles Meckern nichts.

Dann endlich kam mein Frauchen und ich wusste - Jetzt geht es los. 

Doch statt mich wie üblich zum Suchen zu schicken, gingen wir auf ein Stück Wiese und um uns herum standen ganz viele Menschen. Okay… so viele auch wieder nicht, aber ich durfte eine ganze Zeit lang zu jedem hinlaufen und die hatten meine Lieblingsspielzeuge und tolles Futter für mich, ohne dass ich etwas dafür tun musste. Vor lauter Freude war ich ganz aus dem Häuschen. Das war sogar noch besser als Suchen. Dann rief mich mein Frauchen, leinte mich an und schickte mich auf einen Baumstumpf hinauf. Das hatten wir geübt und auf den zweiten Anlauf erinnerte ich mich wieder und sprang hinauf. Eigentlich erwartete ich jetzt eine Belohnung, das hatte ich schließlich ganz super gemacht, aber stattdessen zog sie mir meinen Maulkorb an. Es gab aber immer noch keine Belohnung, sondern ich musste das enge Ding, was auf meine Nase drückte weiter ertragen und mich sogar noch von einem Mann durch die Gegend tragen lassen. Zum Glück erlöste mich mein Frauchen danach direkt von dem Maulkorb und wir konnten weiter den Weg entlanggehen.

Es wurde immer merkwürdiger, denn plötzlich stürzte direkt neben uns jemand zu Boden. Eigentlich bin ich total mutig, aber da habe ich mich echt erschrocken. Nach kurzer Überlegung lief ich aber hin und ich kannte die Frau auf dem Boden sogar. Sonst hatte sie immer Futter für mich. Probeweise schleckte ich ihr über das Gesicht - vielleicht war da ja noch etwas zu holen, bekam aber direkt Ärger von meinem Frauchen. Menno. Die waren wohl heute alle ein bisschen verrückt hier...

So langsam hatte ich mich damit abgefunden, dass ich nicht mehr suchen durfte und ging weiter mit meinem Frauchen mit. Ich glaube sie versuchten mir mit komischen Geräuschen Angst einzujagen, aber so ein echter Labrador, den stört das gar nicht. Ein hupendes Auto, ein lauter Knall oder Raschelfolie... Das machte mir ja wohl nichts aus. Gut, dass sie nicht wissen, dass ich nur vor Staubsaugern richtig Schiss habe. So spazierte ich ganz cool neben meinem Frauchen her und tat so als ginge mich das alles gar nichts an. Dann kamen sie aber doch noch auf eine blöde Idee. Durch so einen engen Tunnel sollte ich laufen. Also über eine Planke oder durch ein Bällebad, das machte ja Spaß, aber der Tunnel sah nicht so vertrauenerweckend aus. Ich versuchte mich mit einem wilden Sprung zu retten, aber mein Frauchen lies nicht locker. Als sie dann auch noch mein Lieblingsspielzeug in dem Tunnel verstecken, gab ich nach und mit all meinem Mut rannte ich einmal durch und vergaß prompt, mein Spieli mitzunehmen. Verflixt. Also gleich wieder zurück und ein bisschen stolz war ich dann schon, als ich das Spielzeug bei meinem Frauchen abgeben konnte.

Nach einer Kuschelpause im Auto und ganz viel zu Trinken führte sie mich dann nochmal in so Schlangenlinien um andere Hunde und um stinkende Feuerstellen herum. Das war langweilig, ich wollte jetzt viel lieber mit irgendwem spielen. Zurück im Auto merkte ich aber, dass ich ziemlich müde war und es störte mich dann auch nicht mehr, dass wir heute nicht mehr suchen würden. Mein Frauchen schien ganz glücklich zu sein und ich wusste, wenn wir zu Hause waren, dann würde ich bestimmt ganz viel Leckerlis bekommen und sie würde mit mir kuscheln. Mit dieser Aussicht schlief ich schnell ein und träumte von fallenden Menschen und dunklen Röhren, die ich im Kampf besiegte.

Rettungshund zu werden, das ist wirklich ganz schön anstrengend…

akleineru